Nachricht | "Held*innen auf die Barrikaden!"

Förderpreisband der RLS Brandenburg beim Verlag VSA: erschienen

Im März 2023 hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg ihren Förderpreis an Malika Guellil verliehen - für ihre 2021 im Masterstudiengang Politikwissenschaften der Universität Wien vorgelegte Masterarbeit „Held*innen auf die Barrikaden! – Care-Proteste als Ausgangspunkt einer gesellschaftlichen Transformationsstrategie“.

Das Kuratorium der RLS Brandenburg hatte die Arbeit bei der Preisverleihung gewürdigt als aktuellen und originellen Beitrag zur Debatte, "ob es so etwas wie einen Hauptwiderspruch im Kapitalismus gibt, dem sich alle anderen Widersprüche unterzuordnen hätten. Damit verbunden ist auch die Frage, ob die Überwindung oder auch die grundlegende Transformation des Kapitalismus durch Klassenkampf einer definierten revolutionären Klasse oder durch viele, auch dezentrale und ihre Differenz verteidigende, Bewegungen erreicht werden kann." Zudem hob es die gelungene Verschränkung von theoretischen Überlegungen, praktischen Erfahrungen und konkreten Handlungsideen hervor, die ein wichtiger Beitrag sei "zur Ausrichtung der gesellschaftlichen Linken als Alternative zur (gegenwärtigen) Krise der diversen Erscheinungsformen kapitalistischer Verfasstheit im Globalen wie im Nationalstaatlichen bzw. [ein] Beitrag zu den Fragen, wie sozialistische Politik im Rahmen des demokratischen Kapitalismus möglich ist oder welche Gefahren selbst dieser mit großen Mängeln behafteten Demokratie drohen und die institutionalisierte wie die aktionsorientierte Linke darauf reagieren sollte." (Zur ausführlichen Begründung und Laudatio ...)

Nun ist die prämierte Arbeit als Buch beim Verlag VSA: Hamburg erschienen, worüber wir uns sehr freuen!


Kochen, putzen, erziehen, pflegen – ist das Arbeit? Nein, sagen die Ideolog*innen des Neoliberalismus. Care-Arbeit wird weder (gut) bezahlt noch gewürdigt. Corona-Pandemie und Pflegenotstand zeigen aber: Profit pflegt keine Menschen! Nur eine solidarische und gemeinwohlorientierte Transformation kann Mensch und Wohlfahrtsstaat revitalisieren und der neoliberalen Hegemonie entgegenwirken.

Trotz der unübertroffenen Systemrelevanz wird Care-Arbeit noch immer weder (gut) bezahlt noch gewürdigt. Was die Gesellschaft im Innersten zusammenhält, wird in der neoliberalen Hegemonie abgewertet. Der anhaltende Pflegenotstand und die Corona-Pandemie haben dieses Selbstverständnis jedoch eingerissen.

Care-Leistende sind sich einig: Profit pflegt keine Menschen! Es braucht eine auf Solidarität und Gemeinwohl gerichtete Gegenhegemonie, um neo­liberaler Krisenpolitik und Ausbeutung den Riegel vorzuschieben. Malika Guellil diskutiert in ihrem Buch das Potenzial, das von Care-Protesten für eine Transformationsstrategie ausgeht, die die neo­liberal-kapitalistischen Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnisse umzukehren versucht. Sie will dabei das Bewusstsein über menschliche Interdependenzen und daraus resultierende Forderungen nach Inklusion schaffen, Geschlechterverhältnisse verstärkt in den Mittelpunkt rücken sowie die Hegemonie des Neoliberalismus dekonstruieren.

Die Entpolitisierung der Bereiche Care und Reproduktion überlasse die Frage nach der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie den Bürger*innen, woraus zum einen neue Klassenverhältnisse entstehen und zum anderen zutiefst ungleiche Geschlechterverhältnisse. Die Individualisierung von Care-Arbeit zerstört den Gedanken der Solidargemeinschaft.

Um diese Entwicklungen umzukehren, muss eine Care-Revolution entfacht werden, um den Wohlfahrtsstaat und die Demokratie zu sichern. Es geht auch um die Möglichkeit einer Verbindung mit den Klimaprotesten. Care-Umdenken ist Bestandteil der sozialökologischen Transformation.

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