Audiomitschnitte von Veranstaltungen

"Konrad Wolf. Chronist im Jahrhundert der Extreme" mit WENZEL und Paul Werner Wagner (1.9.2020)

Wenzel und Paul Werner Wagner am 1. September 2020 im Filmmuseum Potsdam [Foto: Filmmuseum Potsdam]

Im Herbst 2019 erschien im Verlag "Die Andere Bibliothek" ein besonderes Buch über Konrad Wolf, den wichtigsten Filmemacher der DDR, dessen Filme Aufschluss geben können über die Gründe und Verheißungen einer 'sozialistischen Alternative'.

Der Musiker, Sänger und Schriftsteller Hans-Eckardt Wenzel und die ehemalige Vize-Präsidentin des Deutschen Bundestags Dr. Antje Vollmer schildern in "Konrad Wolf. Chronist der Extreme" ihren je eigenen Blick auf sein Leben und sein Werk. So wird die oft vernachlässigte Perspektive Ostdeutschlands auf die Verheerungen und Hoffnungen des 20. Jahrhunderts rekonstruiert und im Dialog zwischen beiden Autor*innen eine gesamtdeutsche Erzählung entwickelt vom Scheitern und Gelingen – vom Verhältnis von Kunst zu Wirklichkeit.

Am 1. September 2020 fand eine Buchvorstellung mit Wenzel und Paul Werner Wagner statt, deren Audiomitschnitt wir hier dokumentieren. Gemeinsam eingeladen hatten zu der Veranstaltung das Filmmuseum Potsdam, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg.

Mitschnitt und Foto: Filmmuseum Potsdam

"Karl Marx und die Geburt der modernen Gesellschaft" mit Michael Heinrich (30.10.2018)

Karl Marx war Zeuge der Durchsetzung jener „modernen“ Gesellschafts- und Wirtschaftsstrukturen – industrieller Kapitalismus, Parlamentarismus und Massenorganisationen –, die immer noch unser Leben beherrschen. Seine Analysen und Kritiken treffen auch heute noch neuralgische Punkte unserer gesellschaftlichen Verhältnisse. Nicht zuletzt die Wirtschafts- und Finanzkrisen der letzten Jahre machten wieder einmal deutlich, dass die Marxsche Krisentheorie alles andere als überholt, sondern Bezugspunkt für unterschiedliche soziale Bewegungen und Stein des Anstoßes für die Verteidiger der herrschenden Verhältnisse ist. 

Doch entgegen aller „marxistischen“ Systematisierungsversuche existiert das marxsche Werk jedoch nur als unfertiges Projekt. Es besteht aus einer Folge faszinierender Anfänge, Abbrüche und immer neuen theoretischen Entwürfen, keines der großen Projekte wurde beendet. 

Michael Heinrich hat zum 200. Geburtstag von Karl Marx den ersten Band seiner auf drei Teile angelegten Marx-Biographie veröffentlicht: Karl Marx und die Geburt der modernen Gesellschaft: Biographie und Werkentwicklung. Band 1: 1818–1841, Stuttgart: Schmetterling Verlag 2018, 29,80 € (mehr dazu)

Der Band stellt mit den Jahren 1818 bis 1841 die Jugend in Trier, das Studium in Bonn und Berlin sowie die Zeit als Redakteur der „Rheinischen Zeitung“ und als Herausgeber der „Deutsch-Französischen Jahrbücher“ in den Mittelpunkt. Heinrich unternimmt erstmalig den Versuch, das Leben und Werk von Marx gleichermaßen in den Blick zu nehmen und bereits in den jungen Jahren Krisen und Brüche in der intellektuellen Entwicklung nachzuzeichnen, die Marx dazu veranlassten, zunächst verfolgte Projekte aufzugeben und seine kritischen Unternehmungen neu zu konzipieren. Auch spielen die zeitgenössischen Auseinandersetzungen, in die Marx verwickelt war, eine entscheidende Rolle – sowohl für die Werk- als auch für die Lebensgeschichte. 

An diesem Abend im Café hausZwei im freiLand Potsdam hat Michael Heinrich seinen Ansatz und seinen genaueren Blick auf Karl Marx Leben und Werk im Kontext vorgestellen und dabei beabsichtigt, auch so manche Legende zu zerstören, die bislang unkritisch kolportiert wurde.

  • Michael Heinrich (bis 2016 Prof. für Volkswirtschaftslehre in Berlin, Autor, Redakteur bei PROKLA)
  • Moderation: Valeria Bruschi (Philosophin)

"Verein freier Menschen? Idee und Realität kommunistischer Ökonomie" mit Dr. Hannes Giessler Furlan (17.10.2018)

In Kooperation mit dem Café hausZwei im freiLand Potsdam war am 17. Oktober 2018 Hannes Gießler Furlan zu Gast in der Reihe "Rede mit!" und stellte sein Buch "Verein freier Menschen. Idee und Realität kommunistischer Ökonomie" (mehr dazu)vor.

Der Autor zeigt darin, wie die Idee kommunistischer Ökonomie in der Realität einen gewaltigen Staatsapparat bedingte, an ihren ehrenwerten Ansprüchen scheiterte, und was von ihr übrig geblieben ist. Ihrer Idee nach sollte die kommunistische Gesellschaft viel gerechter als die kapitalistische sein und überdies nach Marx ein »Verein freier Menschen«. Doch im Namen des Kommunismus verwirklicht hat sich im 20. Jahrhundert vor allem eine totalitäre Gesellschaft. Die Ursachen des Misslingens sucht Hannes Giessler Furlan dort, wo der Kommunismus ansetzte: in der Ökonomie. Mit Sympathie für die Beweggründe, aber ohne falschen Respekt zeigt der Autor, wie die kommunistische Idee eines vernünftig eingerichteten Produktionsprozesses in der Realität einen gewaltigen Staats- und Planungsapparat bedingte, wie sie scheiterte, und was von ihr übrig geblieben ist.

Hannes Giessler Furlan, Jahrgang 1979, hat Geschichte und Philosophie studiert. Er arbeitete als Referent in der Jugend- und Erwachsenenbildung und promovierte an der Leipziger Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie. Er lehrte an einer brasilianischen Universität und arbeitet als Lehrer in Köln. Das Buch »Verein freier Menschen?« ist eine gekürzte Fassung seiner Promotion.

  • Dr. Hannes Giessler Furlan (Historiker, Philosoph; Köln)

"Die Vermessung der Utopie - Gedanken über Mythen des Kapitalismus und die kommende Gesellschaft" mit Raúl Zelik (2.6.2016)

In der Reihe „Rede mit!“ war am 2. Juni 2016 Raúl Zelik zu Gast im Café hausZwei im freiLand Potsdam, um sein gemeinsam mit Elmar Altvater verfasstes Buch "Die Vermessung der Utopie. Ein Gespräch über Mythen des Kapitalismus und die kommende Gesellschaft" (mehr dazu) vorzustellen, das 2015 in einer erweiterten Neuauflage erschienen war.

Der autoritäre Staatssozialismus sowjetischer Prägung ist gründlich gescheitert. Wie aber sieht es mit der Überlebensfähigkeit des Kapitalismus aus? Der Klimawandel, die Massenarmut in weiten Teilen der Welt, Arbeitslosigkeit, Sozialabbau und Verelendung auch in Europa, neoimperiale Kriege und Konflikte um Rohstoffquellen und Einflusszonen – das vom »freien Markt« produzierte Elend und seine Begleiterscheinungen verlangen nach einer grundlegenden Alternative. Doch ist eine Gesellschaft jenseits des Kapitalismus überhaupt noch vorstellbar? Raul Zelik liefert eine radikalkritische Analyse der Gegenwart. Und er versucht, eine utopische Gesellschaft zu skizzieren, die auf einem neuen Energiemodell, einer solidarischen Ökonomie und direkter Demokratie basiert – und die auf Vernunft gegründet ist.

Raul Zelik, geboren 1968, arbeitet im Grenzbereich von Literatur, Sozialwissenschaften und politischem Aktivismus. 2008–2013 Professor für Politik an der Nationaluniversität Kolumbiens. Sein jüngster Roman »Der Eindringling« kam 2012 bei Suhrkamp heraus. 2015 erschien der Band »Mit PODEMOS zur Demokratischen Revolution? Krise und Aufbruch in Spanien« (Bertz + Fischer).Zusammen mit Elmar Altvater ist er Autor des Buches "Die Vermessung der Utopie - Ein Gespräch über Mythen des Kapitalismus und die kommende Gesellschaft", das im April 2015 in einer erweiterten Neuauflage erschien.

  • Raul Zelik (Schriftsteller, Übersetzer und Politikwissenschaftler)