Dokumentation Die Geschichte einer katholischen Sorbin jüdischer Herkunft

Jurij Kochs Erzählung "Hana" und die wahre Geschichte von Annemarie Schierz aus Horka

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Veranstaltung im Ratsaal der Stadt Senftenberg/Zły Komorow am 23. November 2022

Aus Anlass des Jahrestags der Novemberpogrome 1938 hatten die Stadt Senftenberg/Zły Komorow, die Evangelische Kirchengemeinde der Stadt und die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg für den 23. November 2022 zu einer besonderen Veranstaltung ins Rathaus geladen. Im Zentrum standen das Buch „Hana – eine jüdisch-sorbische Erzählung“ von Jurij Koch und die wahre Geschichte der in Horka geborenen katholischen Sorbin jüdischer Herkunft Annemarie Kreidl/Hana Šĕrec, deren Lebenspur sich aufgrund der rassistischen Verfolgung durch die deutschen Faschisten 1943 verliert.
 

Die sorbische Singegruppe Kupka
Hanka Mark und Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (v.l.n.r.)

Nachdem die Senftenberger sorbische Singegruppe Kupka die knapp 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingestimmt hatte, las die Schauspielerin Hanka Mark Passagen aus dem Buch „Hana“ wie auch aus Kochs Erinnerungen „Das Feuer im Spiegel“, die Gerd-Rüdiger Hoffmann  mit viel Feingefühl ausgewählt hatte. Sie vermittelten in ihrer Zusammenstellung einen Eindruck vom Entstehen der Erzählung und vom schriftstellerischen Können Jurij Kochs und illustrierten zugleich die Geschichte der ‚Židowka Hana‘, berichteten von Solidarität, Verrat und Gemeinheiten in der Dorfgemeinschaft und schilderten, was ihr und ihren Adoptiveltern widerfahren – nein, nicht widerfahren, sondern angetan worden war.

Dr. Hermann Simon bei seiner Präsentation

Der Historiker Dr. Hermann Simon, Gründungsdirektor der Stiftung Neue Synagoge – Centrum Judaicum stellte daran anknüpfend vor, was sich aus Dokumenten, Fotos und Gesprächen als wahre Geschichte von Annemarie Schierz rekonstruieren lässt und was Vermutung bleibt. Besonders berührt zeigten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer vom handschriftlich verfassten Testament von Maria Schierz, in dem sie bedauert, dass ihr die Adoptivtochter „vieler falscher Anzeigen wegen“ weggenommen wurde.

Einig waren sich alle Anwesenden, dass Jurij Koch großer Dank gebührt, dass er sich hat überreden lassen, das Thema noch einmal anzugehen und mit seiner 2020 im Verlag Hentrich & Hentrich erschienenen Übersetzung und Überarbeitung der „Židowka Hana“ die Grundlage für diese bewegende Veranstaltung schuf.

Hanka Mark, Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann, Dr. Hermann Simon und Moderatorin Kathrin Lachmann (v.l.n.r.)
  • Infos zum Buch:
    Jurij Koch: Hana. Eine jüdisch-sorbische Erzählung.
    Mit einem Nachwort von Hermann Simon.
    Berlin/Leipzig: Hentrich & Hentrich 2020. 120 S., 16 Euro
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