Rosa Luxemburg & Karl Liebknecht

Gespräch zwischen Dr. Evelin Wittich und Marlen Block, MdL, über unbekannte Facetten und aktuelle Bezüge von Rosa Luxemburg

Den Namen Rosa Luxemburg kennen die meisten, viele wissen, dass sie brutal am 15. Januar 1919 von Freikorps ermordet wurde. Von ihrem Leben, ihrer polnisch-jüdischen Familie, ihrer Leidenschaft für die Natur oder fürs Briefeschreiben, von ihren theoretischen Schriften und ökonomischen Analysen, ihren Positionen zu Nationalismus, Militarisierung, Kolonialismus oder Geschlechtergleichheit ist jedoch in der breiteren Öffentlichkeit wenig bekannt.  

Der 150. Geburtstag bietet den Anlass, sich dieser unbekannten Bekannten der europäischen Arbeiterbewegung und ihrer Aktualität eingehend zu nähern.

Dr. Evelin Wittich (Herausgeberin des Herbariums von Rosa Luxemburg, Mitarbeiterin der Fokusstelle Rosa Luxemburg und von 1990 bis 2008 Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung) hat im Gespräch mit Marlen Block, MdL (stellv. Vorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg) einige der unbekannten Facetten von Rosa Luxemburg vorgestellt und ist auch auf die Frage eingegangen, warum es lohnt, sich gerade heute mit dieser Kämpferin für die Verbindung von politischer und sozialer Freiheit und Gleichheit zu beschäftigen.

Das Interview wurde am 15. Februar 2021 geführt und am Luxemburg-Geburtstags am 5. März online gestellt.

Zwei Interviews zur "polnischen Rosa Luxemburg" mit Weronika Kostyrko und Holger Politt

Die Journalistin und Schriftstellerin Weronika Kostyrko aus Warschau hat mit Holger Politt, dem Büroleiter des Regionalbüros Ostmitteleuropa der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Polen, zwei Interviews geführt, in der die Schriften von Rosa Luxemburg im Zentrum stehen, die sie auf Polnisch verfasst hat.

  • Interview 1: "Zur Unabhängigkeit Polens"
  • Interview 2: "In der Zwickmühle der revolutionären Entwicklung“

Rosa Luxemburg: Revolutionärin aus jüdischen Haus - Gespräch zwischen Holger Politt und Julia Killet

Zum Ansehen bitte auf das Bild klicken.

Die RLS Sachsen, Bayern (Kurt-Eisner-Verein) und Sachsen-Anhalt haben am 3. Februar 2021 eine Online-Veranstaltung mit Dr. Holger Politt durchgeführt, bei der er sein gemeinsam mit Krzysztof Pilawski geschriebenes und herausgebenes Buch "Rosa Luxemburg. Spurensuche. Dokumente und Zeugnisse einer jüdischen Familie" vorgestellt hat.

Das Gespräch mit ihm führte Dr. Julia Killet, Geschäftsführerin des Kurt-Eisner-Vereins / der RLS Bayern.

  • Krzysztof Pilawski/Holger Politt (Hg.):
    Rosa Luxemburg. Spurensuche. Dokumente und Zeugnisse einer jüdischen Familie

    VSA, 152 S., br., 19,80 €
    zur Verlagsseite ...

Für die RLS Sachsen-Anhalt hat Dr. Evelin Wittich im Mai 2020 ein Interview mit Dr. Holger Politt und Krzysztof Pilawski, den beiden Autoren und Herausgebern des Buches, geführt, worauf wir an dieser Stelle gern hinweisen.


Und Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann hat das Buch im Herbst 2020 für die Zeitung "neues deutschland" besprochen. Die Rezension "Befreit von Vorwürfen und Klischees" ist weiter unten auf dieser Internetseite zu finden.

Neue Internetseite zu Luxemburg: Die Andersdenkende

Webstory in vier Sprachen – Kurzfilme und Serie – Onlinekonferenz und mehr

In Rosa Luxemburgs 150. Geburtsjahr geht die neue Webseite „RS LXMBRG – Die Andersdenkende“ unter www.rosaluxemburg.org an den Start, die in Form einer Webstory einen neuen Zugang zu Leben und Werk in vier Sprachen eröffnet. Die Inhalte der Webseite werden bis Anfang März auch auf Englisch, Französisch und Spanisch zugänglich sein.

Wenige Tage vor der Gründung des revolutionären Stadtrats von Paris, der „Pariser Kommune“ am 18. März 1871 wurde Rosa Luxemburg geboren. Am 5. März jährt sich ihr Geburtstag damit zum 150. Mal. Für die nach ihr benannte politische Stiftung ein Anlass, ein facettenreiches Angebot rund um die Person Rosa Luxemburg, ihr Wirken und ihre heutige Rezeption zu konzipieren.

„Unter den namensgebenden Personen der politischen Stiftungen ist Rosa Luxemburg die einzige Frau, die einzige Ausländerin und die einzige Jüdin. Diese Alleinstellungsmerkmale erfüllen uns mit Stolz und Demut - aber Rosa Luxemburg war und bewirkte viel mehr. Zu ihrem 150. Geburtstag wollen wir als Stiftung daran erinnern, was sie an Werken, Taten und Gedanken hinterlassen hat“, sagt Dagmar Enkelmann, Vorstandsvorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung. „Rosa Luxemburg hat uns auch heute noch viel zu sagen, zum Beispiel über das Verhältnis von Demokratie und Sozialismus, die Beziehung handelnder Massen zu politischen Organisationen, die Rolle von Gewalt in politischen Auseinandersetzungen, über Mut und Zivilcourage.“

Geplant sind sowohl in Berlin als auch in allen Bundesländern Ausstellungen, digitale Veranstaltungen, kulturelle Beiträge, eine internationale Onlinekonferenz und mehr. Weitere Information und pandemiebedingte Änderungen sind auf www.rosalux.de jeweils aktuell zu finden.

In Kooperation mit der Volksbühne und dem «Rosa Kollektiv» startete bereits an Weihachten 2020 die elfteilige Serie «Aktiviere dein inneres Proletariat» (https://www.volksbuehne.berlin/de/)


Video zu Karl Liebknecht - fünf Gedenkorte in Brandenburg

Da in diesem Jahr kein zentrales Gedenken an die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht auf dem Friedhof in Friedrichsfelde stattfinden kann, hat Tobis Bank sich auf eine kleine Tour durch Brandenburg begeben, um in einem kurzem Video fünf Gedenkorte in Brandenburg vorzustellen, an denen lokal an Karl Liebknecht gedacht wird.

Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Video von Tobias Bank, der auch Mitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. ist, präsentieren können: https://www.youtube.com/watch?v=HgREuVFSCmk

Andreas Fritsche hat am 13. Januar 2021 das Projekt im "neuen deutschland" vorgestellt.

Rosa Garten - Das Herbarium von Rosa Luxemburg

„Vielleicht finden Sie schon in Thüringen etwas Blumen auf den Wiesen, obwohl in dieser Höhe die Vegetation sich wahrscheinlich verspätet. Am Genfer See gibt es schon zahllose Vergißmeinnicht, Veilchen und bald auch meine allerliebste Wiesenblume – Wiesenschaumkraut; Himmelsschlüssel nicht zu vergessen. Nächstes Jahr, wenn ich heil heraus bin, ist keine von diesen Genannten vor mir sicher. Inzwischen gebe ich Ihnen Vollmacht, an meiner statt die Wiesen zu plündern.“ (Brief an Mathilde Jacob, 30. März 1915)

„Vor zwei Jahren – das weißt Du gar nicht – hatte ich einen anderen Rappel: In Südende packte mich die Leidenschaft für Pflanzen; ich fing an zu sammeln, zu pressen und zu botanisieren. Vier Monate lang machte ich buchstäblich nichts anderes, als im Feld zu schlendern oder zu Hause zu ordnen und zu bestimmen, was ich von den Streifzügen mitbrachte. Jetzt besitze ich zwölf vollbepackte Pflanzenhefte und orientiere mich sehr gut in der ‚heimischen Flora‘, z.B. im hiesigen Lazaretthof, wo ein paar Sträucher und üppiges Unkraut zur Freude der Hühner und zu meiner gedeihen. So muß ich immer etwas haben, was mich mit Haut und Haar verschlingt, sowenig sich das für eine ernste Person ziemt, von der man – zu ihrem Pech – immer etwas Gescheites erwartet.“ (Brief an Luise Kautsky, 18. September 1915)

Beide Briefe hat Rosa Luxemburg im Frauengefängnis in der Barnimstraße in Berlin verfasst, wo sie vom Februar 1915 bis Februar 1916 inhaftiert war;
zit. nach: Rosa Luxemburg: Gesammelte Briefe, Bd. 5, Berlin 1984, S. 50 und 74f.


Rosa Luxemburg ist eine der interessantesten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, bekannt vor allem als brillante Rednerin, scharfsinnige Theoretikerin und Journalistin, als leidenschaftliche Briefeschreiberin, als entschiedene Kämpferin gegen Nationalismus und Militarismus, als vehemente Streiterin für eine von politischer Freiheit und sozialer Gleichheit geprägte Gesellschaft – und als Opfer einer reaktionären Freikorps-Soldateska, die ihr am 15. Januar 1919 brutal das Leben nahm.

Weniger bekannt ist, dass Rosa Luxemburg, 1871 in Zamość im russisch besetzten Teil Polens geboren und in Warschau aufgewachsen, unbedingt Botanik, Zoologie und Geologie studieren wollte und dafür nach dem Abitur 1890 nach Zürich ging. Dort war zur damaligen Zeit Frauen ein gleichberechtigtes Hochschulstu-dium nicht verwehrt. Die Bekanntschaft mit dem Marxisten Leo Jogiches jedoch schmiedete sie „für immer an die verfluchte Politik“. (Brief an Leo Jogiches, 20. Oktober 1905)

Ihr Engagement in der europäischen Arbeiter*innen-Bewegung und insbesondere gegen den Ersten Weltkrieg brachte ihr lange Gefängnisaufenthalte ein – die Jahre 1915 bis 1918 verbrachte sie fast ausnahmslos in Haft, im Frauengefängnis in der Barnimstraße Berlin, in der Festung Wronke oder im Strafgefängnis an der Breslauer Kletschkaustraße.

Vor allem in dieser Zeit arbeitete Rosa Luxemburg an ihrem 1913 begonnenen Herbarium, das in insgesamt 18 Schreibheften vollständig erhalten und nach einem abenteuerlichen Weg über die USA schließlich im Staatlichen Archiv Akt Nowych in Warschau inventarisiert worden ist. Es umfasst neben 370 unterschiedlichen Pflanzen auch ein Heft mit „Geologischen und botanischen Notizen“.

In dieser Ausstellung wird eine kleine Auswahl daraus vorgestellt, vom ersten Blatt mit verschiedenen Johannisbeersorten vom Mai 1913 bis zum letzten beschrifteten Eintrag des erkrankten Spitzahorns vom Oktober 1918.

An vielen Stellen wird der Studiencharakter des Herbariums, Rosa Luxemburgs Anspruch als exakte Wissenschaftlerin und ihre große Freude an diesem Tun deutlich: Sie fügte den aufgeklebten Pflanzenteilen ausführliche Beschreibungen hinzu, ergänzte fehlende Teile durch eigene Zeichnungen, nahm notwendig gewordene Korrekturen vor.

Fast alle Blätter enthalten neben den deutschen und lateinischen Bezeichnungen Angaben dazu, wann und wo Rosa Luxemburg die Pflanzen bei ihren Spaziergängen oder bei Freigängen im Gefängnis- oder Lazaretthof gefunden hat. Auch ihre langjährigen engen Freund*innen und Weggefährt*innen wie u.a. Mathilde Jacob, Sonja Liebknecht und Marta Rosenbaum oder ihr Anwalt Dr. Kurt Rosenfeld schickten ihr Blumen und Pflanzen. Auch findet sich ein Fund vom Grab ihres großen politischen Vorbilds Ferdinand Lassalle in den Heften.

Insbesondere in ihren Briefen schilderte Rosa Luxemburg immer wieder ihre Liebe zur Pflanzen- und Tierwelt – sicherlich auch eine Ausflucht in Zeiten tiefer politischer Krisen und aus der Isolation und der Tristheit des Gefängnis-alltags.

Allerdings: man würde Rosa Luxemburg nicht gerecht, sähe man darin ausschließlich das Persönliche, Private – und nicht auch zugleich einen integralen Bestandteil ihres komplexen Verständnisses einer neuen, allem Leben mit Sorgfalt begegnenden, demokratischen und sozialistischen Gesellschaft.


Eine Ausstellung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg, basierend auf dem 2016 im Karl Dietz Verlag Berlin erschienenen Buch „Rosa Luxemburg: Herbarium“, herausgegeben von Evelin Wittich, mit einer Einleitung sowie einer Auswahl von Briefen von Holger Politt.

Das Original des Herbariums von Rosa Luxemburgs befindet sich im Staatlichen Archiv Akt Nowych in Warschau.

Wir danken herzlich Dr. Holger Politt und Dr. Detlef Nakath für die freundliche Unterstützung bei der Realisierung der Ausstellung.


  • BISHERIGE VERANSTALTUNGSORTE
    September 2020: Haus der Naturpflege Bad Freienwalde e.V., Dr.-Max-Kienitz-Weg 2, 16259 Bad Freienwalde (Oder)
    Januar bis März 2021: Bürger*innenbüro von Marlen Block, MdL, Ostrower Str. 3, 03046 Cottbus/Chóśebuz

Im Karl Dietz Verlag Berlin sind erschienen:

  • Rosa Luxemburg: Herbarium,
    hrsg. von Evelin Wittich, mit einer Einleitung und einer Auswahl an Briefen von Holger Politt, Berlin: Karl Dietz Verlag 2016
    416 Seiten, ISBN 978-3-320-02325-6, 39,90 Euro
  • Postkartenset: 10 Motive aus Rosa Luxemburgs Herbarium
    10,3x14,7 cm, ISBN 978-3-320-02326-3, 9,90 Euro

Befreit von Vorwürfen und Klischees: Krzysztof Pilawski und Holger Politt stellen Zeugnisse der Familie von Rosa Luxemburg vor

Rezension von Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann

erschienen in "neues deutschland" am 1. Oktober 2020

zum Artikel auf der Internetseite des nd


Es ist ein bemerkenswerter, lesenswerter Band, den der Warschauer Publizist Krzysztof Pilawski sowie Holger Politt, Übersetzer und Herausgeber des polnischen Werkes von Rosa Luxemburg sowie Leiter des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Warschau, auf den Buchmarkt gebracht haben. Sie haben bisher kaum beachtete Quellen akribisch ausgewertet und stellen auf dieser Grundlage mosaiksteinartig weitgehend unbekannte Dokumente und Details aus dem Leben und Wirken der Familie Luxemburg vor (divergierend in den Unterlagen auch Luxenburg und Luksenburg).

Zeitlich spannt sich der Bogen von 1830 bis 1945. Von Walter Benjamin angeregt, bedienen sich die Autoren einer Form der Darstellung, die das nicht Abgeschlossene der Forschung betont. Fragmente, Anekdoten, Reiseberichte, Tagebucheinträge werden historisch eingeordnet und mit Porträts einzelner Familienmitglieder verwoben, wobei immer wieder auch das Verhältnis von Rosa Luxemburg zu jenen zur Sprache kommt. Auch Einleitung und Anhang lassen den Einfluss von Benjamin erkennen auf Pilawski und Politt erkennen: Dialektisches Denken ist politisch und sollte Wissen produzieren, damit es zu eingreifendem Denken führt.

Anlass für dieses Buch waren wüste Beschimpfungen Rosa Luxemburgs als Polenhasserin. Diese unbegründeten Vorwürfe dürften unter anderen dadurch begünstigt worden sein, dass in der Tat lange Zeit in polnischer Sprache verfasste Schriften von Rosa Luxemburg kaum bekannt waren. Hinzu kam der Kampfbegriff »Luxemburgismus«, der sich über Jahrzehnte nicht nur gegen die polnisch-deutsche Revolutionärin und Theoretikerin, sondern gegen sogenannte »Abweichler« in der kommunistischen Bewegung schlechthin wandte. Also jene klugen Köpfe, deren Ansichten sich vermeintlich oder auch tatsächlich vom Kanon des offiziellen Marxismus-Leninismus, von Lehrbuchmeinungen und insbesondere den von Stalin vorgegebenen Doktrinen unterschieden. Von Stigma der »Abweichung« betroffen waren einst gerade auch Rosa Luxemburgs Arbeiten zu polnischen Fragen.

Die »Spurensuche« von Pilawski und Politt ist ein neuerlicher, verdienstvoller Beitrag, einerseits Rosa Luxemburg vom Konstrukt »Luxemburgismus« zu befreien, andererseits einer Romantisierung ihrer Person entgegenzuwirken. Die jüdische Familiengeschichte der wohl weltweit bekanntesten Sozialistin ungeschönt und nicht geradlinig oder gar vorherbestimmt darzustellen, bedeutet, persönliche Schicksale mit der Dramatik des Weltgeschehens zu verknüpfen. Die Eltern und Großeltern von Rosa Luxemburg, ihre Onkel Nathan und Benjamin Löwenstein, ihre Geschwister und deren jeweilige Familien werden kenntnisreich und mit Empathie vorgestellt.

Józef Luxenburg, ein Bruder Rosa Luxemburgs, war ein bekannter Arzt und Spezialist für Infektionskrankheiten, Maxymilian Luxemburg, ein anderer Bruder, ein erfolgreicher Geschäftsmann, der während des Zweiten Weltkrieges, unter deutscher Okkupation, in Warschau ausharrte, wo er 1943 starb. Seine Frau wurde 93 Jahre alt und lebte bis 1964 als angesehene Rechtsanwältin in der polnischen Hauptstadt. Der älteste Sohn der beiden, Jerzy, hatte im Ersten Weltkrieg in den Reihen der Polnischen Legionen gekämpft. Im polnisch-sowjetischen Krieg 1920 zum Leutnant ernannt, war er zum Zeitpunkt des Überfalls Hitlerdeutschlands auf Polen Hauptmann. Er kämpfte später im Untergrund gegen die deutschen Okkupanten, geriet in die Hände der Besatzer und wurde 1942 im KZ Auschwitz ermordet, wie auf der gemeinsamen Grabplatte für die Familie auf dem Evangelisch-Reformierten Friedhof in Warschau zu erfahren ist.

Auch Antoni Luxemburg, Bruder von Maxymilian, und seine Frau Helena waren im aktiven illegalen Widerstand gegen die deutschen Aggressoren. Ihr weiteres Schicksal ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich wurden sie im Vernichtungslager Majdanek ermordet. Der Arzt und Reserveoffizier Jerzy Edward Luxenburg, Sohn von Rosa Luxemburgs Bruder Józef, wurde 1940 im Wald von Katyn erschossen, wo auf Stalins Geheiß 4400 Polen, mehrheitlich Offiziere, erschossen worden sind. Pilawski und Politt gehen davon aus, dass die sowjetischen Behörden sehr wohl wussten, dass es sich bei ihm um einen engen Verwandten Rosa Luxemburgs handelte.

Die kurzen und prägnanten Ausführungen im Anhang zu Galizien, zum Königreich Polen sowie zur im November 1918 gegründeten Republik Polen dienen der Orientierung auf einem schwierigen historischen und bis heute umstrittenen Terrain. Die Forschungen von Pilawski und Politt bieten somit nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Geschichte, sondern auch der gegenwärtigen Situation in Polen. Einfache Antworten zum wiedererstarkten Nationalismus und Patriotismus in Polen, zur politischen Spaltung des Landes zwischen Stadt und Land, der jungen und der älteren Generation, den »einfachen Leuten« und Intellektuellen gibt es nicht. Pilawski und Politt geben Anregungen zum Verständnis des Bündels von Problemen im heutigen Polen. Sie empfehlen, die Perspektive zu ändern und auf den moralischen Zeigefinger zu verzichten.

  • Krzysztof Pilawski/Holger Politt (Hg.):
    Rosa Luxemburg. Spurensuche. Dokumente und Zeugnisse einer jüdischen Familie

    VSA, 152 S., br., 19,80 €
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