Kritischer Konsum

Globaler Handel, Lieferketten & Lieferkettengesetz - Erklärpodcast, Studien, Texte, Links

Mit dieser Seite wollen wir auf den Themenkomplex "Lieferketten" aufmerksam machen.
Zur Aufklärung über die Verhältnisse auf den Lebensmittelplantagen, in der Textilindustrie und was ein Lieferkettengesetz bringen würde, gibt es hier diverse Studien, nützliche Links zu Projekten und unseren Podcast "Von der Plantage in den Einkaufswagen - Ein Erklärpodcast zu Lieferketten". 

Von der Plantage in den Einkaufswagen. Ein Erklärpodcast zu Lieferketten - Benjamin Luig im Gespräch mit Alicia Strobach (23.8.2021)

Benjamin Luig vom Europäischen Verein für Wanderarbeiterfragen e.V. beim Podcast [Foto: Alicia Strobach]

Am 23. August 2021 sprach unsere FSJlerin Alicia Strobach mit Benjamin Luig (vom Europäischen Verein für Wanderarbeiterfragen e.V.) über Lieferketten und das kommende Lieferkettengesetz. So entstand unser erster Erklärpodcast: Von der Plantage in den Einkaufswagen.

Wie kommt die Orange eigentlich in unseren Einkaufswagen?
Meistens haben Zitrusfrüchte bereits eine halbe Weltreise hinter sich, bevor sie im heimischen Obstkorb landen.

Südafrika liefert dabei eine nicht unerhebliche Menge von ca. 80.400 Tonnen an Zitronen, Orangen und Mandarinen pro Jahr an die EU und besonders nach Deutschland.
Doch trotz der steigenden Preise für Zitrusfrüchte, verdienen die festangestellten Arbeitskräfte in Südafrika umgerechnet sechs Cent pro Kilo Orangen.
Das alles hat mit sogenannten Lieferketten zu tun.

Doch was meint eigentlich der Begriff „Lieferkette“? Was soll das kommende Lieferkettengesetz bewirken und wie sieht es auf den Lebensmittelplantagen wirklich aus?
Gemeinsam bahnen wir uns gemeinsam mit Benjamin Luig einen Weg durch das Lieferkettenwirrwarr und fragen, wie man die Situation von den Arbeiter*innen auf den Plantagen verbessern kann und welche Schritte auf politischer Ebene noch gegangen werden müssen.

Mehr dazu gibt es hier in unserem aktuellen Podcast(Link zu SoundCloud) und auf unserer Themenseite: https://brandenburg.rosalux.de/kritischer-konsum

Mode.Macht.Menschen

Mode.Macht.Menschen
Eine dokumentarisch erzählte Webserie über die Textil- und Bekleidungsindustrie in Kambodscha und eine digitale Lernwelt zur Vertiefung des Themas

Filmprojekt und digitale Lernwelt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung 
2020

„Vier Euro für ein Tshirt? Da nehme ich doch gleich zwei!“

Was für uns wie ein gutes Schnäppchen klingt, hat für die Menschen in Kambodscha und die Umwelt extreme Folgen.
Denn drei Millionen Menschen, überwiegend Frauen, arbeiten täglich am Rande des Existenzminimums, um Kleidung für den Weltmarkt herzustellen.
Es ist an der Zeit näher hinzuschauen und sich zu fragen: Woher kommt die Kleidung die wir tragen?
In den meisten Fällen, haben die Kleidungsstücke in unserem Schrank bereits eine halbe Weltreise hinter sich, mit sehr undurchsichtigen Lieferketten.
Doch neben dem massiven CO2 Ausstoß, den Chemikalien und dem extremen Rohstoffentzug der Natur, sind es besonders die Menschen, die die Kleidung herstellen, die am meisten unter den Herstellungsprozessen leiden.
Aber was genau heißt das? Und wie macht man die Folgen von Fast Fashion sichtbar?

Diesem Thema widmet sich die Dokumentationsreihe „Mode.Macht.Menschen.“ der RLS.
Gemeinsam reisen der Influencer Willy Iffland und die Journalistin Helen Fares nach Kambodscha und lernen neben Land und Leuten auch die Macht der Textilindustrie kennen.
Das Projekt soll die Menschenrechtsverletzungen am Arbeitsplatz in der Textilindustrie aufzeigen und für den Umgang mit FastFashion sensibilisieren.

Neben der Dokumentation ist auch eine Website entstanden „The conscience of clothing / Mode.Macht.Menschen. Lernwelten“, die noch etwas näher auf die Punkte der Dokumentation eingeht und das Thema Mode im 21. Jahrhundert neu betrachtet.

Bittere Orangen. Der Export von Zitrusfrüchten von Südafrika nach Deutschland (2021)

Bittere Orangen
Der Export von Zitrusfrüchten von Südafrika nach Deutschland

Studie hrsg. von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der südafrikanischen Organisation Khanyisa
2021

Gemeinsam mit Bananen sind Zitrusfrüchte die wichtigsten global gehandelten Fruchtsorten. Zwischen 1980 und 2016 hat sich die international gehandelte Menge an Zitrusfrüchten von 61 Millionen Tonnen auf 146,5 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt. Deutschland stellt für die Produzent*innen von Zitrusfrüchten in Südafrika einen wichtigen Absatzmarkt dar und ist einer der wichtigsten Importeure innerhalb der EU. Besonders in den Sommer- und Herbstmonaten kommt ein erheblicher Teil der Zitrusfrüchte aus Südafrika.

Doch während man in Deutschland einen O-Saft zum Frühstück genießt oder sich auf den Geruch von Mandarinen zu Weihnachten freut, sehen die Bedingungen auf den südafrikanischen Plantagen katastrophal aus.

Auf den fünf für diese Studie untersuchten Plantagen haben alle Arbeiter*innen, die auf den Farmen leben, keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Vier der fünf Farmen sorgen nicht für ausreichenden Gesundheitsschutz, während die Pflanzen mit Pestiziden behandelt werden. Und auch wenn die Preise im Supermarkt für Zitrusfrüchte steigen, verteilen sich die Preismargen entlang der Lieferkette sehr ungleich: Von einem Kilogramm Orangen, das in Deutschland für rund zwei Euro verkauft wird, erhält die Arbeitskraft in Südafrika maximal sechs Cent!

Die Studie „Bittere Orangen. Der Export von Zitrusfrüchten von Südafrika nach Deutschland“ von Rosa Luxemburg Stiftung und Khanyisa aus dem Jahr 2021 nennt Zahlen und Fakten, analysiert die ökonomischen Machtverhältnisse und formuliert Handlungsempfehlungen.

Das Handeln vor Ort durch verstärkte Kontrollen der Arbeitsbedingungen ist für einen Verbesserungsprozess unabdingbar. Jedoch sollten sich auch deutsche Supermarktkonzerne für die Durchsetzung der Menschenrechte in ihren Lieferketten einsetzen - nicht nur aus Marketinggründen, sondern z.B. auch durch die Stärkung der gewerkschaftlichen Arbeit an allen Stationen der Lieferkette. 

Ebenso sollte die Bundesregierung durch eine Weiterentwicklung des Lieferkettengesetztes auf internationaler Ebene sowie durch eine Fixierung des Preises im Vorhinein für bessere Bedingungen innerhalb der Lieferkette sorgen.

Die gesamte Studie kann als PDF-Datei hier eingesehen und heruntergeladen werden.

Günstiger Wein, bitterer Nachgeschmack. Weinexporte von Südafrika nach Deutschland (2020, 3. Aufl.)

Günstiger Wein, bitterer Nachgeschmack
Weinexporte von Südafrika nach Deutschland

Studie hrsg. von der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS), Commercial Stevedoring Agricultural & Allied Workers Union (CSAAWU), Transnationals Information Exchange (TIE), Trust for Community Outreach and Education (TCOE), Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) 
2020

Deutschland ist nach Großbritannien der zweitgrößte Weinimporteur von Wein aus Südafrika.

Der importierte Wein kann auf zwei Arten nach Deutschland kommen: in Tanks oder in Flaschen. Je nachdem unterscheidet sich der Verkaufspreis im Einzelhandel. So kann Wein, der in Großtanks transportiert wird, in großen Massen günstig verkauft werden, da sich dieser in besagten Tanks länger hält und ggf. auch gemischt werden kann.

Neben den allgemein schlechten Bedingungen in den südafrikanischen Weinanbaugebieten, wie fehlender Zugang zu sauberem Trinkwasser, unzureichenden Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit hochgiftigen Pestiziden sowie der Auszahlung eines so geringen Lohns, dass das Existenzminimum um ein Drittel unterschritten wird, ist besonders die Intransparenz der Lieferketten ein Problem. Die weltweite Coronapandemie sowie der Preisdruck des Lebensmitteleinzelhandels haben die durch Inflation bereits kritische Lage in Südafrika zusätzlich verschärft. Nach Angaben des Produzentenverbands werden im Weinsektor über 21.000 Jobs vernichtet werden. 80 Prozent der Landarbeiter*innen im Weinsektor sind saisonal beschäftigt und können durch den Stopp des ÖPNV nicht zur Arbeit gelangen.
Was gravierend ist, da saisonale Arbeitskräfte ohnehin schon deutlich weniger Lohn bekommen, als Festangestellte.

Die Studie „Günstiger Wein, bitterer Nachgeschmack – Weinexporte von Südafrika nach Deutschland“ aus dem Jahr 2020, herausgegeben von Rosa Luxemburg Stiftung , Commercial Stevedoring Agricultural & Allied Workers Union, Transnationals Information Exchange, Trust for Community Outreach and Education und der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, verdeutlicht am Beispiel von vier Plantagen die Menschenrechtsverletzungen in den Weinanbaugebieten sowie die wachsenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt durch die pandemische Krise.
Anhand der sorgfältig recherchierten Zahlen und Fakten werden Lösungsvorschläge vor Ort, aber auch auf internationaler Ebene aufgezeigt und dabei besonders thematisiert, was die deutsche Bundesregierung tun kann – tun muss.
 

Die gesamte Studie kann als PDF-Datei hier eingesehen und heruntergeladen werden.

Edle Tees für Hungerlöhne. Menschenrechtsverletzungen auf Teeplantagen im indischen Darjeeling (2019, 2. Aufl.)

Edle Tees für Hungerlöhne
Menschenrechtsverletzungen auf Teeplantagen im indischen Darjeeling

Studie hrsg. von der Rosa-Luxemburg-Stiftung 
2019

Rund 2,5 Minuten soll man seinen Darjeeling ziehen lassen.
Rund 2,5 Prozent des Ladenpreises erhält die Pflückerin auf der Darjeeling-Plantage.
Das macht ungefähr 2,25 Euro Lohn pro Tag.

Diesen Lohn bekommen die Pflückerinnen, die den Tee auf den Plantagen ernten - aber nur, wenn sie ihre Arbeit im Akkordtempo erledigen und die schlechten Arbeits-bedingungen aushalten.

Für die Studie sind vier Plantagen untersucht worden.
Es wird deutlich, dass Leistungen in elementaren Bereichen der sozialen Versorgung nur unzureichend (Gesundheitsversorgung, Kleinkinderbetreuung) oder gar nicht (soziale Sicherung bei Arbeitslosigkeit, soziale Sicherung bei Behinderung) bereitgestellt werden.
Eine unmittelbare Folge der zu geringen Löhne ist zudem die mangelhafte Ernährung vieler Familien auf den Plantagen.
Hinzu kommt die schlechte Trinkwasserversorgung, für diese zudem häufig weite Wege zurückgelegt werden müssen. Außerdem steht oft nicht einmal genug Geld für Brennholz und Öl zur Beleuchtung zur Verfügung

Ist das gerecht?
Die Studie „Edle Tees für Hungerlöhne, Teeexporte von Darjeeling nach Deutschland“ (2019) der Rosa Luxemburg Stiftung schaut sich den Weg des Tees nach Deutschland genau an, analysiert die Arbeitsbedingungen in Darjeeling und die Lebens- und Arbeitsrealitäten auf vier Plantagen.
Dabei werden viele Menschenrechtsverletzungen deutlich, die unter anderem durch ein wirksames Lieferkettengesetz verhindert werden können.
Doch wie immer kann man auch selbst genauer hinschauen, unter welchen Bedingungen die Produkte gefertigt wurden, die am Ende im Einkaufswagen landen. 
Was es noch braucht, um Hungerlöhne für edle Tees zu unterbinden, stellt die Broschüre ebenfalls vor.

Die gesamte Studie kann als PDF-Datei hier eingesehen und heruntergeladen werden.

Gefährliche Pestizide von BASF und Bayer: Ein globales Geschäft mit Doppelstandards (2020, 2. Aufl.)

Gefährliche Pestizide von BASF und Bayer
Ein globales Geschäft mit Doppelstandards
Studie hrsg. von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Khanyisa, 
Campanha Permanente Contra os Agrotóxicos e Pela Vida, INKOTA-netzwerk e.V, MISEREOR
2021

Die deutschen Agrarchemiegiganten Bayer und BASF gehören zu den vier größten Produzenten von Pestizidwirkstoffen weltweit.
In einer neuen internationalen Studie dokumentieren die Rosa-Luxemburg-Stiftung, das INKOTA-netzwerk und MISEREOR gemeinsam mit dem brasilianischen Netzwerk Campanha Permanente Contra os Agrotóxicos e Pela Vida und der südafrikanischen Organisation Khanyisa die Folgen der Benutzung von giftigen Pestiziden, die nicht in der EU genehmigt sind.

In der Studie werden Fälle beleuchtet, in denen Pestizide von Bayer und BASF eingesetzt wurden und zum Teil zu schweren Vergiftungen und anderen Erkrankungen bei Landarbeiter*innen in Südafrika und indigenen Gruppen in Brasilien geführt haben. Auf Zitrusfarmen in Südafrika haben Vergiftungen beim Sprühen zur Folge, dass Arbeiter*innen im Krankenhaus behandelt werden müssen. I
n Brasilien werden ganze Dörfer durch das Sprühen von Pestiziden aus Flugzeugen akut vergiftet und eine Vielzahl von Pestizidwirkstoffen gelangt ins Grundwasser. Im Fall einer indigenen Gemeinde in Tey Jusu ist gerichtlich bestätigt, dass die Bewohner*innen aus einem Flugzeug mit einem Produkt von Bayer vergiftet wurden.

Hier gibt es die Studie als pdf zum Download

Guter Kunde, böser Kunde - Argumente-Heft der RLS zum Für und Wider "ethischen" Konsums (2016)

Wachsende Müllberge, steigender Meeresspiegel, vergiftete Böden, Kriege um Ressourcen, tote ArbeiterInnen in Fabriken und Bergwerken: Produktion, Transport, Bewerbung,  Vertrieb und Entsorgung unserer täglich konsumierten Güter und Dienstleistungen haben schwerwiegende Folgen. Gegenwehr scheint aussichtslos. Denn die Welt wirkt unendlich komplex und die Möglichkeit, politisch Einfluss auszuüben, frustrierend begrenzt. Da erscheint «ethischer Konsum» eine naheliegende Option.

Initiativen wie «Karmakonsum. New Spirit in Business» oder «Utopia: Die Verbrauchermacht – Unser Konsum verändert die Welt» sind Ausdruck einer weitverbreiteten Annahme: KonsumentInnen haben die Macht, die Welt zu verändern. Beim Einkaufen könnten die KonsumentInnen darüber abstimmen, was wie und wo produziert wird. Ungesunde Produkte lassen VerbraucherInnen ebenso im Regal stehen wie Güter, deren Produktion auf Umweltzerstörung und Ausbeutung basiert. Stattdessen wählen sie gesunde, nachhaltig produzierte Waren. Damit senden sie Signale an die Unternehmen: Wer die Umwelt über Gebühr belastet, wer seine ArbeiterInnen ausbeutet oder gesundheitsgefährdende Ware herstellt, der muss umdenken – oder er fliegt aus dem Markt. Alles, was die VerbraucherInnen dafür benötigen, sind Informationen über die Produkte – und das richtige Bewusstsein, die Verantwortung fürs Ganze.

Aber stimmt das wirklich? Ein Teil der kapitalismuskritischen Linken meint, nachhaltiges Einkaufen bringe überhaupt nichts, und wettert gegen die «GutkäuferInnen» – frei nach dem alten Motto «es gibt kein richtiges Leben im falschen». Jegliches Bemühen um einen «ethisch orientierten» Konsum sei naiv. Das Plädoyer dafür zeige lediglich, dass das Kapital nun auch noch unsere Werte zu Geld machen kann.

Vieles deutet darauf hin, dass die Idee der «Konsumentenmacht» gescheitert ist, schließlich ist der Kapitalismus in den letzten Jahren kaum nachhaltiger und gerechter geworden. Woran liegt’s? Nur am falschen Bewusstsein? Worin besteht die Macht von «König Kunde» und wie weit reicht sie tatsächlich? Was können Einzelne mit ihrem verantwortungsvollen Einkauf beitragen – und was braucht es, um die Welt nicht nur zu verändern, sondern doch noch zu retten? Diese Fragen sollen in dieser Broschüre anhand einiger beliebter Behauptungen beleuchtet werden. 

Die Broschüre kann als PDF-Datei hier eingesehen und heruntergeladen werden.