
Ich habe erfahren, dass Lutz Kleinwächter, Professor für Wirtschaftspolitik/Außenwirtschaft an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin plötzlich verstorben ist.
1953 in Prenzlau geboren, Studium an der Offiziershochschule in Löbau sowie Außenpolitik am Institut für Internationale Beziehungen in Potsdam, war er zunächst in der DDR im Außenministerium und dann bei der UN in Genf tätig. 1989/90 war er Teilnehmer am „Runden Militärtisch“. Seit 2004 wurde er dann Vorsitzender und tragende Kraft der Zeitschrift "WeltTrends" und war neben seiner Professorentätigkeit auch im Vorstand der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft (BBAG e.V.) aktiv.
Ich habe Lutz 2016 kennengelernt, als ich die Stelle als Referent für Friedens- und Sicherheitspolitik am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung antrat. Lutz war einer der regelmäßigsten und regsten Teilnehmer unseres Gesprächskreises Friedens- und Sicherheitspolitik und tragende Säule des Potsdamer Außenpolitischen Dialogs. Lutz war ein streitbarer Geist, der aus einem großen Fundus an historischem, politökonomischem und außenpolitischem Wissen schöpfte. Er war berühmt für seine Fähigkeit, auch linke Weisheiten zu hinterfragen und dadurch theoretische und analytische Debatten zu schärfen. Dies tat Lutz etwa mit seiner wiederkehrenden Kritik der Vorstellung unmittelbar bevorstehender großer Kriege und Kriegsvorbereitungen der Eliten im Westen. Noch vor wenigen Wochen stellte er diese Fähigkeiten im Gesprächskreis schlagend unter Beweis.
Lutz Kleinwächter reißt eine große Lücke. Er wird fehlen: intellektuell, politisch und vor allem auch menschlich. Zehn Jahre mit monatlichen Zusammenkünften hinterlassen tiefe Spuren. Der Abschied von Menschen, der Abschied von Genossinnen und Genossen fällt schwer.
In Gedanken bin ich bei den Angehörigen und bei der Frage, wie wir in den kommenden Tagen und Wochen sein Andenken gebührend wahren.
Ingar Solty