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Dokumentation : Wofür steht die Regenbogenfahne und wer hat Angst davor?

Präsentation von Melanie Jaeger-Erben & Veranstaltungsbericht von Gerd-Rüdiger Hoffmann

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Melanie Jaeger-Erben beim Vortrag [Foto: Gerd-Rüdiger Hoffmann]

Über 60 Personen konnte Cathleen Bürgelt, Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg, am 13. März 2026 zur Bildungsveranstaltung in der Wendische Kirche Senftenberg begrüßen. Mit so viel Interesse war nach Meinungsäußerungen zur Einladung mit dem Thema „Wer hat Angst vorm Regenbogen? Warum Diversität kein Problem, sondern die Lösung sein kann“ nicht unbedingt zu rechnen.

Einerseits war zu hören „Nicht mein Thema …“, „Da bin ich raus …“ oder „Anderes wäre wichtiger …“. Die Lokalpresse, anders als üblich, veröffentlichte zu dieser Veranstaltung keinen Hinweis. Hier und auch bei der Losung für die Brandenburgischen Frauenwochen 2026 „WTF – Wut trifft Feminismus“ wurde deutlich, dass in der politischen Bildung Themen auf Ablehnung oder zumindest nicht sofort auf Interesse stoßen, die Vorurteile infrage stellen könnten. Gerade deshalb ist es im Selbstverständnis der Rosa-Luxemburg-Stiftung weiterhin wichtig, immer wieder auch schwierige Themen aufzurufen und Wege zu finden, dennoch Interesse zu wecken.

Andererseits fielen die Reaktionen unter Schülerinnen und Schülern des Friedrich-Engels-Gymnasiums in Vorgesprächen teilweise völlig anders aus. Sie empfanden es als befremdlich, wenn heute noch immer die Regenbogenfahne oder Fragen zum LGBTIQ-Komplex auf Ablehnung stoßen. Für sie war eher das Problem, warum man sich am Freitagabend mit einer Frage beschäftigen sollte, die hoffentlich eindeutig beantwortet ist. Die Schülerinnen Joci Woweries und Annika Uhlig hatten diese Problemlage im Blick und moderierten sehr gut vorbereitet diese Veranstaltung, an der Mitschülerinnen und Mitschüler zahlreich teilnahmen.

Melanie Jaeger-Erben, Psychologin und Soziologin, Professorin für Technik- und Umweltsoziologie an der Brandenburgischen Universität Cottbus-Senftenberg, bot dann mit ihrem eloquent vorgetragenen Vortrag Wissenszuwachs für beide Seiten.

Sie bezog sich auf neue Forschungsergebnisse und Studien und vermittelte eine Problemsicht, die nicht auf das Bloßstellen von Menschen mit Vorbehalten gegenüber Schwulen, Lesben oder Transpersonen aus ist. Sie plädierte kenntnisreich für einen Perspektivenwechsel. Unter den Stichworten „Vielfalt macht stark“, „Verschiedenheit macht klug“, „Vielfalt stärkt den Zusammenhalt“ und „Zu viel Gleichheit schadet“ konnte sie ein aufmerksames Publikum für diesen Ansatz gewinnen. In Anlehnung an Hannah Arendt (1906 - 1975) geht sie davon aus, dass ohne Verschiedenheit kein Miteinander möglich sei. Dissens ist die normale Bewegungsform einer jeden Gesellschaft, sage ich, und Melanie Jaeger-Erben betont, dass Verschiedenheit kein Problem sei, sondern „die Grundlage dafür, dass wir überhaupt miteinander reden, streiten und etwas gestalten können“.

Demokratie lebt davon, denn wenn „alle gleich denken, gibt es keine echte Meinungsbildung mehr“. „Wer glaubt, allein recht zu haben, zerstört den gemeinsamen Raum, in dem Verständigung möglich ist“, sagte Melanie Jaeger-Erben und stieß auf Zustimmung.

Hinter der Angst vorm „Regenbogen“ steht nicht nur ein unbestimmtes Gefühl, es ginge vielmehr um soziale Zusammenhänge. Überzeugend legte sie dar, dass soziale Unsicherheit als Dauerzustand auch Angst hervorruft – Angst vor echten Verlusten mit realen Gründen wie Verlust des Arbeitsplatzes, Verlust der subjektiv als „normal“ angenommenen Identität. Angst vor dem „Regenbogen“ sei letztlich Angst davor, dass andere anders leben und das eigene Lebensmodell nicht länger selbstverständlich sei. Wenn die wahren Ursachen nicht benannt werden, dann kann Vielfalt oder der oder das „Fremde“ tatsächlich als Bedrohung wahrgenommen werden.

Eine alte Weisheit lautet, dass durch Begegnungen mit eigentlich als fremd wegen ihrer Herkunft, Religion, politischen Haltung oder sexuellen Orientierung stigmatisierten Menschen Vorurteile und damit auch die Angst vor Unbekanntem abgebaut wird. Es gelte deshalb, Wut in Kraft umzumünzen, nicht in Angst. Angst vor dem „Regenbogen“ sei oft nicht mehr als die Angst vor der eigenen Verletzlichkeit. Aber aus Verletzlichkeit kann Stärke entstehen, denn eigene Schwäche verlangt nach Solidarität und Gemeinschaft. Wissen warum, wissende Wut, könne eine gute Grundlage für politisches solidarisches Handeln sein.

Es war eine außergewöhnliche Veranstaltung, in der Wissensvermittlung ohne konfrontative Belehrung mit emotionalem Berührtsein Hand in Hand gingen. Das wurde auch in den Gesprächsgruppen deutlich, die Begegnung und einen individuellen Austausch zum Vortrag ermöglichten. Anlass zum Diskutieren boten vier verschiedene Beispiele, wie der Weg von der Wahrnehmung von Differenz hin zum möglichen Feindbild durchbrochen werden könnte.

Das Thema wird mit dem Impuls, der von diesem Abend ausging, im Unterricht des Friedrich-Engels-Gymnasiums Senftenberg weitergeführt werden. 


Zur Präsentation von Prof. Dr. Melanie Jaeger-Erben…